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Was gibt meine Leitung her?

Eine Standardfrage in allen Foren, die sich mit DSL beschäftigen, ist die Frage “Was gibt meine Leitung her?”. Oft garniert mit Screenshots aus der Fritzbox oder Programmen wie DMT.

Ein kleiner Exkurs in die Theorie. Welche Faktoren bestimmen, was so eine Leitung schafft?

  1. Die Dämpfung. Für ADSL(1) wird die Dämpfung bei der Telekom für 300KHz berechnet, das ist der Ortes- Komtes-Wert. Die Dämpfung errechnet sich aus der Kabellänge und dem Kabelquerschnitt. Da eine Leitung oft mehrere Abschnitte hat, wird dies für jeden Abschnitt berechnet und am Ende addiert. Anhand gewisser Grenzwerte schaltet man dann bestimmte Geschwindigkeiten auf.
  2. Störgeräusche. Es gibt sogenannte Trennregeln für DSL Leitungen. So darf nicht jede Leitung mit DSL beschaltet werden, sondern nur etwa jede zweite. Leitungen mit besonders schnellem ADSL2+ bekommen Leitungen mit besondern hohen Trennregeln, da stört also weniger von Nachbarleitungen rein. Die Stärke der Störgeräusche ändert sich ständig, es ist ein dynamischer Wert. Es gibt daher nur Maximalwerte. Die Modems treffen daher nur eine Aussage darüber, um wieviel lauter das Nutzsignal im Vergleich zu den Störungen ist. Dies ist Fritzboxen der Signal-Rauschabstand oder SNR bei anderen Herstellern. Dieser Wert sollte möglichst hoch sein, Zielwert ist 6 für ADSL2+ und 8 bis 10 für ADSL(1). Bei Werten unter 6 kommt es zu starken Fehler und Abbrüchen. Übrigens hat auch der Mensch einen SNR-Wert, den er braucht, um ein Gespräch trotz Störgeräuschen (z.B. Strassenlärm) zu verstehen und dies sind ebenfalls 6dB

Man stellt nun Regeln auf, bei welcher Dämpfung welche Geschwindigkeit machbar ist. In diese Regeln fliesst der erlaubte Wert der Störgeräusche ein. Bei der Deutschen Telekom gibts aktuell strenge Regeln, von denen nicht abgewichen wird. Andere Anbieter, die selbst schalten, handhaben das grosszügiger. Dort laufen die Ports nicht fixed rate, sondern rate adaptive. Bei fixed rate muss die eingestellte Geschwindigkeit erreicht werden, sonst kommt gar keine Verbindung zustande. Bei adaptive rate definiert man nur die maximale Geschwindigkeit. Einigen sich Modem und DSLAM auf weniger, ist das nicht schlimm. Schwanken die Störgeräusche auf einer Leitung stark, kann es zu Abbrüchen kommen, wenn sich die Modems zuvor in einem weniger stark gestörten Zeitraum auf das Maximum der Leitung geeinigt haben. Führt dies zu häufigen Abbrüchen, muss der Anbieter den Port auf einen Wert drosseln, der nicht mehr zu Abbrüchen führt.

DSL_Spektrum_Stmt

Links der Screenshot des Modemtools STMT, das die Verbindungsdaten für Speedtouch Router von Thomson auswertet.

Das Programm zeigt an, wie stark die Leitung ausgelastet ist. Es sind hier 94% im Downstream und 87% im Upstream. Der SNR ist im Downstream bereits auf einem niedrigen Wert von 6. Mehr als die aktuelle Bitrate wird die Leitung nicht mehr hergeben.

Wie gut eine Leitung, die nahe ihrer physkalischen Grenze betrieben wird, wirklich genutzt werden kann, hängt auch vom verwendeten Modem ab. Nicht jedes Modem kommt mit schlechten Leitungen gut zu recht und mitunter mögen sich Modem und DSLAM nicht richtig. Im obigen Beispiel sind z.B. Lücken im Frequenzbereich zu sehen. Es sind immer die gleichen Lücken, die viele Nutzer eines Speedtouch Routers an einem DSLAM Serie 4 des Herstellers ECI beklagen. Dennoch schafft das Modem dieses Routers eine stabile, schnelle Verbindung.

DSL_Spektrum_L0

Links ein Frequenzspektrum der gleichen Leitung mit einer Fritzbox. Das Modem der Fritzbox nutzt alles Träger, es gibt also keine Lücken. Auffallend ist jedoch, dass die Träger 64 bis 256 weniger intensiv genutzt werden. Daraus resultiert am Ende eine um ca 1000KBit/s geringere Bitrate als mit dem Speedtouch.

Warum die Fritzbox in diesem Fall die unteren Träger weniger stark nutzt, ist unbekannt. Es wurden viele Modems an dieser Leitung ausprobiert und nur die Fritzbox zeigte dieses Verhalten.

Die aktuellen Schaltgrenzen der Deutschen Telekom
(inkl. Resale, Stand Sommer 2007)

  • 384 kbit/s bis 55* dB
  • 768 kbit/s bis 46 dB
  • 1.024 kbit/s bis 43 dB
  • 1.536 kbit/s bis 39,5 dB
  • 2.048 kbit/s bis 36,5 dB
  • 2.304 kbit/s bis 35 dB
  • 3.072 kbit/s bis 32 dB
  • 6.016 kbit/s bis 18 dB
  • 16.000 kbit/s (ADSL2+) bis 18 dB

* = in einem Pilottest wird in ausgesuchten Regionen bis 60dB geschaltet
Die Schaltung erfolgt fixed rate, ab Anfang 2008 wird in einigen Anschlussbereichen adaptive rate “erprobt”.

Und noch ein Vergleich:
Die Schaltgrenzen von Arcor
(Stand Dezember 2006)

  • DSL 1000 bis 55 dB
  • DSL 2000 bis 42 dB
  • DSL 6000 bis 34 dB
  • DSL 16000 bis 17 db

Die Schaltung erfolgt adaptive rate. Auffällig ist die sehr niedrige Grenze für DSL 16.000 - da hatte Arcor im Frühjahr 2006 massive Probleme mit den Modems.

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Zum Vergleich:
Die Schaltgrenzen der EWEtel-Gruppe
(Stand September 2007)

  • DSL 1.000 bis 50 dB
  • DSL 2.000 bis 40 dB
  • DSL 4.000 bis 33 dB
  • DSL 16.000 bis 27 dB

Die Schaltung erfolgt adaptive rate, die geschaltete Bandbreite wird nicht zugesichert. Die Schaltgrenzen sind hier, wie auch bei anderen Anbietern nicht identisch mit den Entstörgranzen. Im Falle von Abbrüchen oder Störungen wird der Port gedrosselt.

 

(c) 2012 Holger Pellmann. Alle Bilder und Texte sind urheberrechtlich geschützt. Gewerbliche Nutzer: Bitte Nutzungsbedingungen im Impressum beachten.
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